"Abschied am Zentralbahnhof"


Man winkte sich so unbefangen zu
Man sähe sich im nächsten Jahre wohl
Die deinen Augen versetzten mir noch einen letzten Stich
Die kühlen Wetterwinde pfiffen hohl.

 
Als ich dann schlückchenweise durch die Gassen strich
Und jeden Menschen
Wie einen Mitverschwörer grüßte, wie Dich?
Als wärest’s Du.

 
Da trank ich noch ein letztes Gläschen Schnaps
Da trieb ich fort auf unheimlichen Wellen
Die Wolken drohten, gelb und rot
Wie Mohn und Blut, und Raps
Es lagen Spatzen totgefror’n, an manchen Stellen.

 
Und ich dachte viele Male: „Geh nur! Geh!“
Das Straßenlicht brach sich in meinem Augenflimmern
Da wollt’ ich mich um weiter nichts mehr kümmern
Und ich ersoff, in saftiggrünem Juni-Schnee.

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