"Mit dem Dampfschiff in die Zukunft"

Nachwachsende Rohstoffe sind dieser Zeiten stark in der Diskussion. Der wichtigste von ihnen ist das Geld. Geld wächst am besten nach, wenn man es mit Menschen düngt. Um den Dünger bei guter Laune zu halten und anzulocken, feiert man Feste im Freien.
Auch ich wühle mich in Sommern sonntags unrasiert durch Gruppen anderer Düngekörper. Man zieht tomatensoßenfarbene Kinder und Hunde, die ebenfalls unrasiert sind, zur Seite und lächelt milde. Eine schwere Dunstschicht liegt über dem Park, die mein Denken verwirrt. Ein wahrscheinlich luftfeuchtigkeitsbedingt dauergewellter, schwarzer Hund, der in Reichweite meines Schattenarms sitzt, ist mir auf den ersten Blick sympathisch. „Bruder! Kampfgenosse!“ denke ich aufgewühlt. Der Hund kaut auf einem Stock herum. „Ham! Ham!“ denkt er gleichgültig.

Ich bekomme Hunger. Ein vietnamesischer Koch bietet Spezialitäten an, die mich auf olfaktorischem Weg überzeugen. Ich kaufe zwei Bällchen in etwas Rotem, das sehr scharf ist. „Ham! Ham!“ denke ich, während meine Zunge verglüht. Eine Frau mit etwas Rotem auf dem Kopf tritt an den Stand und fragt den Koch: „Tschuldigung, is' inden Nudln Gluta-Mat?“ Der Koch sagt: „Nein.“ („Verschwinden Sie!“ denkt er.) Ich frage mich, ob wohl die Musik Glutamat enthält, die auf der im Zentrum des Geschehens platzierten Bühne von einer Gruppe Mosaikmenschen gemacht wird.
„Ham! Ham!“ tuckert ein Schlagzeug. Zwei Akkorde steigen lustig von der Bühne und beginnen eigentümlich gekleidet einen hoppeligen Volkstanz aufzuführen. Sie tragen Bleischuhe. Ich schaue pikiert wie ein schlaffer Allergiker ins Nirgendwo.

Auf der Wiese sitzen Picknickmenschen. Eine Gruppe hat neben der Decke ein Schild platziert das sagt: „Fit für die Zukunft!“ Das danebengemalte Lachgesicht halte ich für eine Sekunde für einen Dinosaurierkopf. Dann fängt es an zu regnen.


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